ZERO Sievert im Test: Ein Rucksack voller schlechter Entscheidungen

Eine herrlich anspruchsvolle Solo-Beutejagd, bei der der gefährlichste Gegenstand im Rucksack immer der nächste ist, den du noch einpacken willst.

Redaktion von Zombie Defence ·

Auf Grundlage offizieller PC-Dokumentation, Versionshinweise und Spielbilder.

Ein zusätzliches Gewehr sieht nach Gewinn aus, bis du es nach Hause schleppen musst. ZERO Sievert baut seine besten Entscheidungen um diese kleine Unannehmlichkeit: Jeder nützliche Fund liefert einen weiteren Grund zurückzukehren und überredet dich dann irgendwie zum Bleiben.

Dieser Einzelspieler-Extraction-Shooter richtet sich an Menschen, die eine Expedition ebenso gern vorbereiten wie überleben. Die Pixelgrafik ist kompakt, das Ausrüstungssystem keineswegs. Seine Stärken sind Waffentüftelei, zielgerichtetes Plündern und die wunderbare Erleichterung, wieder im Bunker zu sein.

Überlebender schießt durch einen mit Trümmern gefüllten Apothekengang; Gesundheits- und Überlebensanzeigen bleiben sichtbar.
Ein Apothekengefecht zeigt die dicht zugestellten Sichtlinien. · CABO Studio / Modern Wolf

Der Ausgang ist das Ziel

Jeder Ausflug beginnt mit einer Zugfahrt in ein gefährliches Gebiet und einem Plan, der wahrscheinlich überarbeitet werden muss. Prozedurale Karten ordnen bekannte Orte neu an. Zu wissen, was du suchst, verrät dir deshalb noch lange nicht den sichersten Weg.

Gewöhn dir an, zuerst die Extraktionspunkte zu prüfen, bevor du interessanten Geräuschen nachgehst. Ein bereits eingepacktes Questteil kann für deine Kampagne wertvoller sein als der Inhalt eines weiteren Gebäudes. Frühes Umkehren ist hier eine Entscheidung, die sich auszahlen darf.

Dadurch verändert sich das Gewicht eines Kampfes. Vor dem gesuchten Fund verspricht ein Gefecht vielleicht nützliche Ausrüstung. Danach gefährdet dieselbe Begegnung einen erledigten Auftrag. Die Karte hat ihre Meinung über dich nicht geändert; dein Rucksack hat die Rechnung verändert.

Jäger neben einer Lokomotive und einer Gesprächsaufforderung auf einem bewaldeten Güterbahnhof voller Container.
Der Bahnhof gibt Expeditionen einen greifbaren Ausgangspunkt. · CABO Studio / Modern Wolf

Bau die Waffe, dann respektiere den Kampf

Die Waffentüftelei verleiht dieser Rechnung Nachdruck. Über fünfzig Waffen und zahlreiche Aufsätze stehen bereit, doch Besitz ist nur der Anfang. Auch das Lieblingsgewehr braucht passende Munition, eine vernünftige Zustandsprüfung und einen Plan für die gewünschte Kampfdistanz.

Die Draufsicht belohnt Aufmerksamkeit für Winkel statt blindes Vertrauen in die Kamera. Wände und andere Hindernisse unterbrechen Sichtlinien. Wo du stehen bleibst, zielst und nachlädst, zählt: Auch ein kleines bewaffnetes Pixelmännchen kann deinen Einkaufsbummel zuverlässig beenden.

Erbeutete Waffen verdienen einen zweiten Blick, bevor sie zu Ballast werden. Du kannst Munition entladen und Aufsätze abnehmen, sogar bei Waffen in gegnerischen Rucksäcken. Nur das Visier statt des ganzen Gewehrs mitzunehmen ist genau die Sparsamkeit, die das Ödland belohnt.

Zwei bewaffnete Figuren liefern sich auf einer regnerischen Industriestraße neben Lkw und Backsteingebäuden ein Gefecht.
Das Industriegefecht betont Abstand und Vorbereitung. · CABO Studio / Modern Wolf

Entscheide, was ein Fehlschlag kosten soll

Die aktuellen Voreinstellungen heißen Relaxed, Standard, Survivor und Hunter; Custom erlaubt eigene Anpassungen. Das Menü empfiehlt Standard. Relaxed reduziert Kampfdruck und die Wahrscheinlichkeit von Waffenstörungen. Das sind sinnvolle Startoptionen und kein Eingeständnis, bei der Apokalypse durchgefallen zu sein.

Relaxed, Standard und Survivor schützen die Ausrüstung, die du in einen Einsatz mitbringst. Hunter riskiert den Großteil dieser Startausrüstung. Entscheidend: Der Schutz rettet keine frisch gesammelte Beute aus einem gescheiterten Ausflug. Dafür musst du weiterhin erfolgreich extrahieren.

Standard eignet sich deshalb gut, um eine Lieblingswaffe kennenzulernen, ohne sie ständig ersetzen zu müssen. Hunter passt, wenn auch die mitgebrachte Ausrüstung zum Einsatz gehören soll. In beiden Fällen bleibt ein benötigter Fund ein guter Grund, unnötige Risiken einzustellen.

Jäger bei einer Beuteaufforderung zwischen Autowracks, Zäunen und Gebäuden im starken Regen.
Im Starkregen wirkt der vielversprechende Fundort passend unfreundlich. · CABO Studio / Modern Wolf

Jeder Platz will Karriere machen

Der Bunker verwandelt wahlloses Sammeln in eine Einkaufsliste. Seine Werkbank ermöglicht Herstellung, Reparaturen und Waffenarbeit; Module verbessern deinen Wohnbereich. Lagerraum ist ein besonders praktisches frühes Projekt. Die imposante Waffensammlung beeindruckt weniger, wenn daneben nichts anderes mehr hineinpasst.

Die Materialverfolgung für Module gibt gewöhnlichen Gegenständen einen konkreten Zweck. Behalte das Teil für dein nächstes Upgrade, statt automatisch das Objekt mit der eindrucksvollsten Silhouette zu bevorzugen. Genau daraus entsteht die Fortschrittstiefe: Dinge werden zu Zutaten für selbst gewählte Pläne.

Dieser häusliche Rhythmus macht Freude, beinhaltet aber echte Aufräumarbeit. Spezielle Behälter und ihre jeweilige Collect-Funktion helfen beim Zusammenführen von Vorräten. Sie nehmen dir nicht die Entscheidung ab, was bleibt, was verkauft wird und was beim nächsten Einsatz unbedingt zu Hause bleiben sollte.

Inventar und Lager mit Waffen, Munition, Vorräten, Ausrüstungsplätzen und Gewichtsangabe.
Vorräte konkurrieren mit Waffen und Projektmaterialien um Platz. · CABO Studio / Modern Wolf

Gib dem nächsten Einsatz eine Aufgabe

Jäger-Vorteile und waffenspezifische Fähigkeiten entwickeln durch erfolgreiches Spielen sowohl die Figur als auch ihre Werkzeuge weiter. Diese parallelen Wege ergänzen das Lager: Du verbesserst eine Vorgehensweise, statt nur immer teurere Gegenstände anzuhäufen, die du zwischen zwei Ausflügen bewunderst.

Der Barmann liefert die Hauptquests, die weitere Teile der Welt erschließen. Tagesaufträge bringen Nebeneinkünfte, doch eine bequeme Routine kann vom Kampagnenfortschritt ablenken. Wenn dir die Landschaft zu vertraut vorkommt, prüfe die Hauptquestreihe, bevor du den Zugfahrplan verantwortlich machst.

Fraktionsruf eröffnet Ausrüstungssammlern eine weitere Richtung: Green Army und Crimson Corporation bieten eigene Aufgaben und Belohnungen. Das schafft zahlreiche Gründe für die Rückkehr. Der Haken bleibt: Wiederholtes Sammeln bleibt wiederholtes Sammeln, ganz gleich, wie verlockend die nächste Belohnung aussieht.

Jäger in einem dunklen Bauwerk voller violetter Anomalien, Geräte und Blutflecken.
Violettes Licht durchbricht den gewöhnlichen Industrieverfall. · CABO Studio / Modern Wolf

Das Endspiel verlangt mehr Einsatz

Das veröffentlichte Overload-Update gibt der Kampagne einen klareren Endspurt. Sein Kernkraftwerk ist eine eigene Karte für eine späte Mission, keine weitere gewöhnliche Region zum wiederholten Farmen. Es als beiläufigen Versorgungshalt zu behandeln wäre ein bemerkenswert optimistisches Missverständnis des Reiseplans.

Diese Unterscheidung zählt bei der Bewertung. Die regulären Regionen bieten wiederholbare Beutezüge; das Finale verlangt Vorbereitung auf eine bestimmte Herausforderung. Kleine Ausrüstungsbesorgungen und ein längeres Kampagnenziel haben beide Platz, ohne den grundlegenden Rhythmus aus Ausrüsten, Aufbrechen und Heimkehren aufzulösen.

Gute Ausrüstung glättet nicht jede Kante

Der Prolog lohnt sich, und optionaler automatischer Munitionswechsel reduziert eine vermeidbare Fehlerquelle. Außerdem lassen sich Truhen- und Lagerinventare bei eingehendem Schaden automatisch schließen. Das hilft durchaus; der größere Aufwand für Ausrüstung und Lagerverwaltung verlangt trotzdem deine Aufmerksamkeit.

Einige der besten Hilfen übersieht man leicht: Symbole für Lagerreiter, Materialverfolgung und das Entfernen von Aufsätzen unterwegs verteilen sich auf unterschiedliche Menüs und Aktionen. Diese Handgriffe erleichtern die Routine. Das Spiel verlangt trotzdem einen effizienten Lagerverwalter ebenso wie einen fähigen Jäger.

Die Atmosphäre holt viel aus einer begrenzten Palette: Regen, vollgestellte Innenräume und unnatürliches Licht schaffen eine passend ungemütliche Kulisse. Sie trägt eine Solokampagne gut. Wer offiziellen Koop sucht, sollte anderswo schauen; Community-Mods sind ein separates Angebot.

Stärken

  • Extraktion macht frühen Rückzug zu einer befriedigenden taktischen Entscheidung
  • Ausführliche Waffenanpassung verbindet Vorbereitung und Kampf
  • Module, Quests, Fähigkeiten und Fraktionen geben Beute langfristigen Nutzen
  • Aktuelle Voreinstellungen trennen Kampfdruck und Risiko für die Startausrüstung

Schwächen

  • Munition, Wartung und Lagerorganisation verursachen erhebliche Auszeiten
  • Neue Beute geht bei gescheiterten Einsätzen trotz geschützter Startausrüstung verloren
  • Nützliche Handgriffe verteilen sich auf verschiedene Menüs und Aktionen
  • Das Originalspiel bietet keinen offiziell unterstützten Koop

Für wen geeignet

  • Ideal für Solospieler mit Freude an gezielten Waffenbauten und Sammelzielen
  • Beginne mit Standard oder mit Relaxed, wenn der Kampfdruck das Lernen erschwert
  • Weniger geeignet für ununterbrochenes Schießen oder integrierten Koop

Fazit

ZERO Sievert lässt sich geduldigen Plünderern leicht empfehlen, die für jeden Aufsatz und Inventarplatz einen Grund haben möchten. Seine größte Stärke: Der Rückzug fühlt sich nach Fortschritt an. Eine kleine Ladung, die ein Projekt abschließt, schlägt eine prachtvolle Sammlung auf dem Boden.

Dafür investierst du Zeit ins Vorbereiten, Sortieren und Lernen. Wer diesen Rhythmus mag, bekommt im kostenpflichtigen PC-Spiel eine eng verzahnte Solokampagne. Wähle die Verlustregeln bewusst, gib jedem Ausflug einen Zweck und denk daran: Ein Rucksack ist ein Behälter, keine Mutprobe.

PC-Basisspiel

Testwertung: 8.6 / 10

Kampf
8.7 / 10
Fortschritt
9.2 / 10
Bedienbarkeit
7.8 / 10
Gegenwert
8.8 / 10

Windows-PC-Fassung auf Steam; Vollversion seit dem 23. Oktober 2024.

Umfasst das Basisspiel und veröffentlichte Updates bis einschließlich The Overload Update; offiziell ein Einzelspielerspiel.

PC-Basisspiel ↗

Die Testwertung ist der Mittelwert der anwendbaren Werte für Kampf, Fortschritt, Bedienbarkeit und Gegenwert, einmal auf eine Dezimalstelle gerundet. Die Eignung für eine Vergleichsliste zählt nicht dazu.

Behält man in ZERO Sievert Beute nach dem Tod?

Neue Beute aus einem gescheiterten Einsatz geht verloren. Relaxed, Standard und Survivor schützen mitgebrachte Ausrüstung; Hunter riskiert auch den Großteil davon. Erst eine erfolgreiche Extraktion sichert neue Funde.

Welche Schwierigkeit eignet sich für Anfänger?

Standard ist die aktuelle Menüempfehlung. Relaxed senkt Kampfdruck und Wahrscheinlichkeit von Waffenstörungen. Beginne mit dem Prolog und wähle die Einstellung, mit der du Ausrüstung und Extraktion ohne übermäßigen Frust lernst.

Hat ZERO Sievert Koop oder PvP?

Das Original ist offiziell ein Einzelspielerspiel mit KI-Gegnern. Community-Koop-Mods existieren, gehören aber nicht zur offiziellen Mehrspielerunterstützung. Kaufe das Basisspiel für die Solokampagne, nicht in Erwartung eines eingebauten Truppmodus.

Welche PC-Fassung behandelt dieser Test?

Dieser Test behandelt das Windows-Basisspiel auf Steam einschließlich veröffentlichter Updates bis The Overload Update. Die Vollversion erschien am 23. Oktober 2024. Konsolenfassungen und Funktionen des Nachfolgers gehören nicht zur Bewertung.

Ist das Kernkraftwerk eine wiederholbare Farmkarte?

Das Overload-Update führt es als eigene Karte für eine späte Mission ein, nicht als weiteres Ziel für regelmäßige Besuche. Bereite dich auf eine Kampagnenherausforderung statt auf einen gewöhnlichen Beutezug vor.

Quellen