Oxygen Not Included im Test: Die Tücken deiner Rohrleitungen
Eine großartige Koloniesimulation im Schnellkochtopf: Hinter dem nächsten Notfall steckt oft etwas, das du gestern gebaut hast.
Zombie Games Editorial ·
Auf Grundlage offizieller Dokumentation und offizieller Spielbilder.
Die Kolonie hat Betten, ein Badezimmer und etwas, das ungefähr als Abendessen durchgeht. Ausgezeichnet. Jetzt schau nach, wohin das Abwasser fließt. Oxygen Not Included macht das vernünftige Bauprojekt von gestern zum Hauptverdächtigen beim Notfall von morgen. Diese zeitverzögerten Folgen sind sein kleiner, gemeiner Geniestreich.
Kleis Einzelspieler-Koloniesimulation setzt Duplicanten in einen Asteroiden und überlässt dir die Grabungsaufträge. Du verwaltest einen Querschnitt aus Räumen, Maschinen und Lebewesen. Überleben heißt, die Ströme zwischen ihnen zu verstehen. Dazu gehören auch jene unangenehmen Stoffe, die alle lieber zum Problem anderer erklären würden.

Jeder neue Mund braucht Infrastruktur
Grabungen schaffen Platz für Schlafräume, Lebensmittelproduktion und Maschinen, verändern aber auch die Umgebung der Kolonie. Eine entfernte Wand kann zuvor getrennte Gasblasen verbinden oder Flüssigkeit in einen Arbeitsbereich laufen lassen. Expansion ist deshalb eine technische Entscheidung und bedeutet mehr, als zusätzliche Bodenflächen auf die Karte zu malen.
Mehr Duplicanten bringen zusätzliche Hände zum Bauen und Transportieren. Gleichzeitig steigen der Bedarf an Nahrung und Atemluft sowie die Beanspruchung der Einrichtungen. Entscheidend ist, ob deine Produktion einen weiteren Arbeiter dauerhaft versorgen kann. Dass ein zusätzliches Paar Arme das heutige Bauprojekt beschleunigt, reicht als Argument nicht aus.
Dieser Gegensatz hält selbst kleine Aufgaben interessant. Ein längerer Leiterweg kostet Zeit, ungünstig gelagerte Vorräte verursachen zusätzliche Transporte, und eine Maschine ohne benötigten Rohstoff bringt gar nichts. Die Produktivität entsteht aus den Beziehungen zwischen Gebäuden, nicht aus einer hübschen Gesamtzahl errichteter Anlagen.

Luft hält sich nicht an deinen Grundriss
Die Sauerstoffansicht verwandelt eine hübsche Ameisenfarm in eine Diagnosekarte. Atembare Bereiche und gefährliche Taschen werden sichtbar. So erkennst du, wohin der Sauerstoff gelangt und wo sich Kohlendioxid sammelt. Eine beruhigende Gesamtmenge irgendwo in der Basis hilft dem Arbeiter im falschen Raum herzlich wenig.
Der Umgang mit Gasen verleiht der Erkundung Gewicht. Verlockende Rohstoffe können hinter einer Atmosphäre liegen, in der deine Mannschaft schlecht arbeiten kann. Anzüge und die dazugehörige Infrastruktur erweitern ihren Aktionsradius. Doch den Rohstoff zu erreichen ist erst die halbe Arbeit: Auch der wiederholte Weg dorthin muss praktikabel sein.
Die besten Entwürfe beheben mehr als das unmittelbare Symptom. Ein neuer Durchgang kann die Luftzirkulation verbessern und Wege verkürzen, zugleich aber bisher abgeschirmte Räume ungünstigen Bedingungen aussetzen. Genau darin liegt der Reiz: Eine Wand ist Architektur, Grenze und ein Versprechen, das du später vielleicht bereust.

Die Rohrleitungen von gestern melden sich
Rohre geben Flüssigkeiten und Gasen feste Wege durch die Kolonie vor. Pumpen, Filter sowie Gebäudeanschlüsse müssen eine funktionierende Kette bilden. Eine optisch beeindruckende Anlage kann trotzdem völlig nutzlos sein, wenn ihr Ausgang blockiert ist, die Zufuhr fehlt oder ihr Stromkreis die Belastung nicht trägt.
Das verändert den Charakter von Verbesserungen. Eine angeschlossene Sanitäreinrichtung spart manuelle Botengänge, macht sich dafür aber von einem Netz abhängig. Meist ist das ein guter Tausch. Fällt das Netz aus, stehen jedoch mehrere scheinbar unabhängige Gebäude still. Die Lösung liegt weiter vorn in der Versorgungskette, nicht zwangsläufig beim wütendsten Warnsymbol.
Beim Strom gilt dieselbe Disziplin. Zusätzliche Generatoren ersetzen nicht die Prüfung von Leitungskapazität und Verbrauch. Automatisierung lässt Signale die Geräte steuern und erspart dir, jeden Schalter einzeln zu hüten. Ein System zu bauen, das rechtzeitig von selbst abschaltet, ist oft beeindruckender als eines, das ständig läuft.

Forschung eröffnet Möglichkeiten, keine fertigen Lösungen
Forschung erweitert deine Bauoptionen. Eine freigeschaltete Maschine braucht aber weiterhin Materialien, Arbeitskraft und einen sinnvollen Platz im Versorgungsgefüge. Der eigentliche Fortschritt besteht darin, den richtigen Einsatzzeitpunkt zu erkennen. Wer durch den Technologiebaum rast, löst damit noch keine Kolonieprobleme, die schon die vorhandenen Anlagen ausbremsen.
Besonders deutlich zeigt sich das bei der Wärme. Industrieanlagen verändern örtliche Temperaturen, von denen wiederum Pflanzen und Duplicanten abhängen. Produktion nahe an ihren Abnehmern spart Transportwege, kann aber ein Temperaturproblem schaffen. Dämmung und durchdachte Platzierung zählen, weil sich die Folgen auch nach dem letzten Handgriff weiter ausbreiten.
Kleis Update vom März 2026 passte den Wärmeaustausch an und behob mehrere Simulationsfehler. Im Juni folgten weitere Änderungen für alle Versionen. Diese Verbesserungen sind im Hauptspiel bereits erschienen. Die zentrale Herausforderung bleibt: Du entwirfst eine funktionierende Umgebung, in der mehrere voneinander abhängige Systeme um denselben Platz konkurrieren.
Deine Belegschaft hätte gern eine Pause
Die Fähigkeiten der Duplicanten verlangen eine weitere Abwägung. Ausbildung eröffnet nützliche Möglichkeiten, doch jede erlernte Fähigkeit erhöht die Moralansprüche. Ein vielseitiger Alleskönner ist daher nicht automatisch die beste Wahl. Spezialisierung gibt dir einen Grund, die Lebensbedingungen zu verbessern, statt die Mannschaft als austauschbares Bauwerkzeug zu betrachten.
Essen, Unterkunft und Erholung machen Komfort zu einem Teil der Maschinerie. Stressreaktionen können die Kolonie beeinträchtigen; ausreichend hohe Moral kann dagegen hilfreiche Freudereaktionen auslösen. Die kleinen Figuren geben diesen Systemen Persönlichkeit. Ein Freizeitraum ist eben Infrastruktur mit Spielautomat. Buchhaltung war selten so gut gelaunt.
Die Oberfläche liefert Ansichten, Statusinformationen und eine integrierte Datenbank. Die passende Erklärung zu finden bleibt trotzdem Arbeit. Eine Warnung zu lesen ist leichter, als sämtliche Ursachen dahinter aufzuspüren. Darin liegt die größte Bedienungshürde: Das Spiel bietet umfangreiche Kontrolle, verlangt aber die Diagnosegewohnheiten, mit denen du sie sinnvoll nutzt.

Schon das Hauptspiel greift nach den Sternen
Die Raketentechnik des Hauptspiels gibt der Industrie unter Tage ein fernes Ziel. Weltraumforschung, Raketenbauteile und seltene Materialien verlängern die technische Entwicklung über das bloße Überleben hinaus. Ein Start wirkt gerade deshalb lohnend, weil er viele zuvor ausreichend gelöste Probleme verkörpert. Erst dadurch kann sich die Kolonie ein größeres leisten.
Spaced Out! ist eine separate kostenpflichtige Erweiterung mit gleichzeitig verwalteten Kolonien auf mehreren Planetoiden, erweiterter Raketentechnik und Strahlungssystemen. Auch Frosty Planet, Bionic Booster, Prehistoric Planet und Aquatic Planet sind kostenpflichtige Zusatzpakete. Ihre neuen Umgebungen und spezialisierten Systeme sind keine Voraussetzung, um am Hauptspiel Freude zu haben.
Aquatic Planet erschien am 11. Juni 2026 mit Schwimmen und einer maritimen Startwelt. Es ist bereits verfügbar und kein Zukunftsversprechen. Begleitend erhielt das Hauptspiel kostenlose Änderungen, darunter eine überarbeitete Flüssigkeitsdarstellung. Kaufe Erweiterungen für die konkreten neuen Probleme, die dich reizen, statt zusätzliche Komplexität grundsätzlich für notwendig zu halten.

Stärken
- Verzahnte Gas-, Flüssigkeits-, Wärme- und Stromsysteme belohnen praktisches Verständnis.
- Fähigkeiten und Moral verknüpfen die Entwicklung der Arbeiter mit ihrer Lebensqualität.
- Forschung und Raketentechnik bieten schon im Hauptspiel umfangreiche Ziele ohne kostenpflichtige Erweiterungen.
Schwächen
- Die Fehlersuche in einer Produktionskette verlangt genaues Lesen und Experimentieren.
- Kleine Infrastrukturfehler können mehrere gleichzeitige Versorgungsengpässe auslösen.
Für wen geeignet
- Am besten für geduldige Baumeister, die gern Ursachen aufspüren und Systeme überarbeiten.
- Eine starke Wahl für geplantes Solo-Überleben mit gelegentlichen Kreaturengefahren statt einer kampforientierten Kampagne.
Fazit
Oxygen Not Included verwandelt praktisches Verständnis hervorragend in Fortschritt. Ein zuverlässiges Versorgungsnetz ist wertvoller als das nächste freigeschaltete Gebäude, weil es der Kolonie Spielraum für größere Vorhaben gibt. Die schönste Belohnung besteht darin, einen drohenden Ausfall zu erkennen, bevor der Alarm losschreit.
Diese Tiefe kostet allerdings reichlich Denkarbeit. Rechne mit Fehlersuche, Umbauten und Versuchen, die unter dem ersten Problem gleich ein zweites freilegen. Wer gern herausfindet, warum ein System versagt hat, bekommt ein wunderbar fesselndes Hauptspiel. Für unkomplizierte Kämpfe oder entspanntes Dekorieren gibt es passendere Alternativen.
PC-Hauptspiel
Testwertung: 8.2 / 10
- Kampf
- —
- Fortschritt
- 9.4 / 10
- Bedienbarkeit
- 6.4 / 10
- Gegenwert
- 8.7 / 10
Behandelt das Hauptspiel für Windows, macOS und Linux einschließlich veröffentlichter kostenloser Updates.
Spaced Out! sowie Frosty Planet, Bionic Booster, Prehistoric Planet und Aquatic Planet sind separate kostenpflichtige DLCs und nicht Teil dieser Wertung.
Die Testwertung ist der Mittelwert der anwendbaren Werte für Kampf, Fortschritt, Bedienbarkeit und Gegenwert, einmal auf eine Dezimalstelle gerundet. Die Eignung für eine Vergleichsliste zählt nicht dazu.
Hat Oxygen Not Included einen Mehrspielermodus?
Nein. Das offizielle Spiel ist für Einzelspieler ausgelegt. Laut Klei wurde es um diese Erfahrung herum entwickelt. Mehrere Kolonien in Spaced Out! werden weiterhin von einer Person verwaltet; daraus wird kein Koop-Spiel.
Brauche ich Spaced Out!, um Raketen zu starten?
Nein. Schon das Hauptspiel enthält Raketentechnik und Weltraumforschung. Spaced Out! verändert und erweitert die Weltraumsysteme und ergänzt mehrere Kolonien sowie interplanetare Rohstofflogistik. Es bietet damit eine andere Verwaltungsaufgabe, statt den Zugang zum Weltraum erst freizuschalten.
Sollten Einsteiger gleich alle DLCs kaufen?
Wenn dir diese technischen Systeme neu sind, ist das Hauptspiel der sinnvolle Einstieg. Es bietet bereits umfangreiche Überlebens- und Forschungsziele. Ergänze ein Paket, wenn dich dessen Umgebung oder Mechaniken interessieren, und lies vorher die jeweilige Beschreibung.
Warum bekommt eine funktionierende Kolonie plötzlich Versorgungsprobleme?
Ihre Systeme teilen sich Abhängigkeiten. Fehlende Rohstoffe, blockierte Ausgänge, überlastete Stromkreise oder ungeeignete Temperaturen können andere Produktionsbereiche unterbrechen. Prüfe den Gebäudestatus und verfolge anschließend Zufuhr und Ausgänge. Ein weiteres Exemplar desselben Gebäudes behebt die Ursache nicht zwangsläufig.
Kann man inzwischen auch im Hauptspiel schwimmen?
Schwimmen gehört zum kostenpflichtigen Aquatic Planet Pack vom Juni 2026. Das begleitende Gratis-Update änderte auch das Hauptspiel, etwa bei der Flüssigkeitsdarstellung und Rettung nach Erstickung. Diese gemeinsamen Verbesserungen schalten weder die maritime DLC-Welt noch das Schwimmsystem frei.
Quellen
- Klei: Spielübersicht und offizielle Bilder ·
- Steam: PC-Hauptspiel, Plattformen und Funktionen ·
- Klei: Simulations- und Oberflächenupdate vom März 2026 ·
- Klei: Gratis-Update vom Juni 2026 und Veröffentlichung von Aquatic Planet ·
- Klei: Hotfix 744825 vom Juli 2026 ·
- Klei: Änderungen an Fähigkeiten, Moral und Fördersystemen ·
- Klei: kostenloses Freizeit-Update und Freudereaktionen ·
- Klei: Weltraumforschung und Raketentechnik im Hauptspiel ·
- Steam: Erweiterung Spaced Out! ·
- Klei-Support: Ausrichtung auf Einzelspieler ·
- Steam: das Aquatic Planet Pack ·